OpenOcular

Neulich stieß ich per Zufall über das OpenOcular-Projekt, das einen Smartphone-Aufsatz für Mikroskope entwickelt. Der Aufsatz besteht ausschließlich aus druckbaren Teilen und bietet einem die Möglichkeit, dass z.B. Schülerinnen und Schüler im Unterricht ihr eigenes Smartphone verwenden können.

Die Dateien sind alle einzeln vorhanden. Ich habe eine Druckdatei mit allen Daumenmuttern (thumbnuts) angelegt, die ich in grünem PLA gedruckt habe sowie eine Datei mit den restlichen Teilen in grauem PLA (s. Bild). Dabei habe ich einige Objekte um 90° um die x-Achse gedreht um eine größere Fläche für die erste Druckschicht zu erhalten.

openocular_rest

Die Einstellungen habe ich 1:1 von der Thingiverse-Seite übernommen, d.h. 0,2 mm Schichtdicke, 50% Infill und Support.

Die Druckzeit für die Muttern betrug 3h und für den Rest ca. 12,5h. Nach etwas Nacharbeit um die Stützstrukturen zu entfernen, lässt sich das Ergebnis bewundern:

openocular_fertig

Das fertige Produkt musste natürlich gleich an einem unserer Schülermikroskope ausprobiert werden:

openocular_mikroskop

Die Bedienung ist sehr leicht: Durch die obere Stellmutter wird der Aufsatz auf dem Mikroskop angebracht. Wie auf dem Bild wird das Smartphone dann mit der linken unteren Stellmutter fixiert. Hierbei sollte man direkt die Linse des Smartphones so ausrichten, dass sie über der Aussparung liegt. Mit der rechten unteren Stellmutter kann man dann noch die Position in horizontaler Richtung beeinflussen. Den Abstand zur Linse kann man mit der großen Stellmutter variieren. Die ersten Schnappschüsse einer Zwiebel sehen laut meines Kollegen gut aus.

openocular_zwiebel

openocular_zwiebel_gross

Ich bin selbst kein Biologie-Lehrer, aber ich denke, dass mikroskopieren dadurch im Unterricht bereichert werden kann:

  • Durch das Display können mehrere SuS gleichzeitig das Bild betrachten.

  • Durch die Pinch-to-Zoom-Geste kann ich sogar noch einzelne Bereiche weiter vergrößern, wobei das natürlich auch von der Qualität der Smartphone-Kamera abhängt (2.Bild).

  • SuS können Aufnahmen mit ihrem eigenen Gerät machen und ggf. auch zu Hause zur weiteren Auswertung verwenden.

  • Über eine kabellose Verbindung des Smartphones mit einem Beamer kann man das Bild der ganzen Klasse zeigen.

Wenn man mit einem Preis von ca. 22€ pro kg Filament rechnet, kommt man auf einen Unkostenbeitrag von ca. 3,50€ pro Halterung und man muss natürlich die Zeit für den Druck und die Nachbearbeitung einplanen. Wenn man diesen Preis aber mit den Preisen für Mikroskope mit USB-Anschluss vergleicht, sieht man schnell, dass man hier viel Geld sparen und eine komplette Sammlung zu digitalen Geräten umrüsten kann.